Die japanischen Schriftzeichen lassen sich auch in lateinischen Buchstaben - auf Japanisch Romaji genannt - wiedergeben. Tut man das, spricht man von Romanisierung - oder etwas allgemeiner Transliteration. Für diese Umwandlung gibt es verschiedene Systeme.
Wie romanisiert man Japanisch?
Am häufigsten nutzt man das Hepburn-System, das 1867 von James Curtis Hepburn veröffentlicht wurde und im Laufe der Zeit einige Modernisierungen erfuhr. Seit 2025 ist es auch die offiziell von der japanischen Regierung verwendete Methode der Romanisierung.
Allerdings musst du aufpassen: Hepburn basiert auf der amerikanischen Aussprache der Buchstaben, die sich bekanntermaßen von der deutschen unterscheidet. Es ist auch das System, das ich in meinen Artikeln zu den Hiragana und Katakana nutzte, um die Aussprache schriftlich wiederzugeben.
Alternativen dazu sind das Nihon-Shiki und Kunrei-Shiki, die systematischer aufgebaut sind. Das führt aber auch dazu, dass die Aussprache ebenfalls nicht ganz intuitiv ist.
Das Hiragana し wird im modernen Hepburn-System etwa als "shi" transliteriert und ちゃ als "cha". Im Nihon- und Kunrei-System hingegen werden sie respektive zu "si" und "tya".
Dennoch findest du Überbleibsel dieser Systeme auch noch in der heutigen Zeit. Etwa, wenn du Japanisch am PC oder auf dem Smartphone schreiben willst. Willst du etwa づ schreiben, musst du auf der Tastatur "du" eintippen - so wird das Zeichen im Nihon-Shiki transliteriert. Die Umschrift laut Hepburn und Kunrei wäre hingegen "zu".
Weswegen du nicht mit Romaji lernen solltest
Derartige Systeme wurden für Personen geschaffen, die weder Kana noch Kanji lesen können. Und da es theoretisch möglich ist, Japanisch mit dem bekannten Alphabet zu schreiben, denken manche Lerner, dass sie es einfach damit lernen können. Das ist allerdings nicht empfehlenswert und würde das Unterfangen nur schwerer machen, anstatt es zu vereinfachen! Die Gründe dafür sind zahlreich!
1. Romaji und Kana sind andere Laute
Grundsätzlich haben alle der Systeme ein Kernproblem: Es sind nur Annäherungen an die japanische Aussprache. Doch japanische Zeichen haben ihre eigene Aussprache, die sich nicht exakt mit einer derartigen Umschrift wiedergeben lässt.
Ein besonders berüchtiges Beispiel sind らりるれろ, die als ra, ri, ru, re, ro transliteriert werden, in Wirklichkeit aber anders klingen. Die korrekte Aussprache liegt zwischen R, D und L – sprichst du sie wie ein deutsches R aus, verstehen Japaner dich nicht.
2. Du beraubst dich wichtiger Lernmittel
Eine der besten Methoden, eine Sprache zu lernen, ist es, viel zu lesen. Doch japanische Bücher sind - wie nicht anders zu erwarten - in Japanisch verfasst. Willst du es effektiv lernen, musst du dich entsprechend zwangsläufig mit der Schrift auseinandersetzen.
Auch die großen Wörterbücher wie JMDict und Wadoku, in denen du unbekannte Wörter nachschlägst, zeigen dir die Aussprache nur in Kana an. Kannst du die nicht lesen, würde es entsprechend auch sehr schwer werden, neue Vokabeln zu lernen.
3. Die Grammatik basiert auf Kana
Die Japanische Grammatik mit Romaji zu erklären, ist wie der Versuch, deutsche Grammatikregeln mit Kana beizubringen. Um die Vergangenheitsfrom von イッヒ ゲヘ (Ich gehe) zu bilden, änderst du das ゲ zu ギ und das へ zu ング. Kein Zeichen bleibt gleich und es ist keine Logik mehr erkennbar.
Das Resultat sind endlos viele Ausnahmeregeln, die gar nicht nötig wären, wenn du einfach die selben Regeln lernst, die auch Japaner selbst in der Schule beigebracht bekommen.
4. Japanisch hat viele Homonyme
Homonyme nennt man Wörter, die identisch gesprochen und geschrieben werden, aber eine andere Bedeutung haben. Im Deutschen haben wir etwa Erde, das einmal unseren Planeten bezeichnen kann, aber auch den Boden, in dem Pflanzen wachsen.
Japanisch hat sehr viele derartige Wörter. Schreibst du sie ohne Kanji, könntest du keinen Unterschied erkennen. "Kaidan" kann etwa "Gespräch", "Treppe" oder "Geistergeschichte" sein. Und nicht immer reicht der Kontext aus, um zu erkennen, was gemeint ist. Erst mit Kanji siehst du die Bedeutung:
- 会談: Gespräch
- 階段: Treppe
- 怪談: Geistergeschichte
Im Gespräch hilft hier hingegen manchmal noch der Pitch-Akzent. Doch wenn auch der gleich ist und Verständnisprobleme auftauchen, behelfen sich Japaner manchmal damit, die Bedeutung zu verdeutlichen, indem sie das Kanji mit dem Finger in die Luft zeichnen.
5. Sätze werden unleserlich
Selbst Muttersprachler haben Schwierigkeiten, in Romaji geschriebenes Japanisch zu verstehen. Denn die Nutzung von Kana und Kanji gibt den Sätzen Struktur und macht es leichter, die Bedeutung schnell zu erfassen.
6. Japan nutzt kaum Romaji
Wenn du ein japanisches Schild, Speisekarte oder Buch lesen willst, bekommst du keine Romaji. Es ist alles in Kana und Kanji geschrieben. Bereits Kinderbücher setzen auf Hiragana und Katakana. Hast du Japanisch nur mit Romaji gelernt, werden dir deine Kenntnisse in Japan selbst entsprechend nur bedingt weiterhelfen.
Manchmal siehst du hier und da einen Ortsnamen oder den einer Bahnstation auch in lateinischen Buchstaben, aber das ist bereits das höchste der Gefühle.