Titelbild des Buchs Japanisch Lernen wie Japaner von Mathias Dietrich
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Wie du am besten Kanji lernst

Kanji sind Schriftzeichen, die Japan aus China übernommen hat. Für den Alltag brauchst du die 2.136 Joyo-Kanji, es gibt aber wesentlich mehr, die du etwa sehen wirst, wenn du japanische Romane liest, oder Spiele spielst.

Ein einzelnes Kanji kann bereits ein ganzes Wort sein, aber auch mit anderen kombiniert werden, um neue Bedeutungen zu erschaffen. Sie werden vor allem für Substantive, Verben und Adjektive genutzt.

Allerdings schreiben selbst Muttersprachler nicht jedes Wort in Kanji, bei dem das möglich wäre. Gerade häufige Wörter sind schneller in Kana geschrieben. Im Laufe der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, wie du ein Wort am besten schreibst.

Mehr als eine Aussprache

Die größte Besonderheit von Kanji ist, dass sie in jedem Wort anders ausgesprochen werden können. Und das frustriert viele Lerner schnell. Allerdings sollte dich der Gedanke nicht abschrecken. Denn du hast beim Lesen immer so viele Hinwese zur korrekten Lesung um dich, dass du sie kaum falsch lesen kannst. Dafür sorgen vor allem Kontext und Okurigana!

Ein Bild, das die verschiedenen Aussprachen eines Kanji zeigt.

Es gibt zwei verschiedene Gruppen von Aussprachen: Einmal die Onyomi- (chinesisch, in Katakana) und die Kunyomi-Aussprache (japanisch, in Hiragana). Das bedeutet aber nicht, dass du jedes Kanji nur auf zwei Arten lesen kannst. Ein Kanji kann viele verschiedene On- und Kunyomi haben!

Eine Faustregel gibt es dennoch: Stehen viele Kanji zusammen, nutzt du meistens die Onyomi. Folgen Okurigana auf eines der Zeichen, nutzt du hingegen die Kunyomi. Allerdings gibt es auch Ausnahmen.

So liest du Kanji

Doch wie weißt du nun, wie du welches Kanji wann zu lesen hast? Sieh dir dafür zunächst dieses Beispiel an:

  • Japanisch: 私わたしは本ほんを読よむ。
  • Übersetzung (1:1): Ich (Thema) Buch (Objekt) lesen.
  • Übersetzung: Ich lese ein Buch.

Natürlich hast du hier einmal die Furigana über den Kanji, die es dir zeigen. Doch die wirst du im Alltag eher selten sehen!

  • 私: Dass du dieses Kanji alleine "Watashi" liest, lernst du mit dem Wort zusammen.
  • 本: Wie auch "Watashi" lernst du dieses Kanji zusammen mit dem dazugehörigen Wort.
  • 読む: Hier steht das Kanji mit dem Okurigana む. Sobald du weißt, dass よむ lesen ist, wirst du schnell merken, dass du das Kanji 読 hier kaum anders lesen kannst als よ.

Wieso braucht es Kanji?

Weil sie das Lesen einfacher machen! Wahrscheinlich denkst du dir, dass man auch alles in Hiragana schreiben könnte. Aber sobald du ein japanisches Kinderbuch liest, wirst du schnell merken, dass die sich teils wegen fehlender Kanji wirklich schwer lesen lassen!

Ein Grund dafür ist, dass Japanisch sehr viele Homonyme hat. Also Wörter, die du gleich schreibst - und teils auch identisch sprichst - die aber eine andere Bedeutung haben. In Texten kannst du sie nur durch Kontext und eben die Kanji auseinanderhalten, wie du bei diesen Beispielen sehen kannst:

  • 帰かえる: Zurückgehen
  • 買かえる: kaufbar-sein
  • 変かえる: verändern

Es gibt zudem Wörter, die du mit verschiedenen Kanji schreiben kannst, ohne dass sie dann anders gesprochen werden. Manchmal bedeuten sie das gleiche, manchmal ändert sich die Bedeutung im Detail:

  • 見みる: etwas sehen
  • 観みる: etwas ansehen

Besondere Kanji

Nun magst du denken, dass du die Bedeutung eines Wortes immer aus den genutzten Kanji ableiten kannst. Das ist aber nicht immer der Fall! Denn es gibt eine ganze Gruppe besonderer Kanji!

Die Ateji: So bezeichnet man Kanji, die wegen ihrer Aussprache, und nicht ihrer Bedeutung gewählt wurden. 寿す司し ist etwa ein Ateji. Es bedeutet "Sushi", also das japanische Reisgericht. Doch die genutzten Kanji sind 寿 (Glück) und 司 (Amt)

Das Zeichen 々 wird selten erklärt. Es nennt sich Kanji-gaeshi oder Noma und ist an sich kein Kanji, steht aber oft mit ihnen. Es gibt an, dass du das Kanji davor wiederholst. Manchmal wird die Aussprache dasbei auch stimmhaft (日々 = ひび), manchmal nicht (昔々 = むかしむかし).

Die besten Kanji-Lerntricks

Alle Kanji zu lernen, ist wesentlich einfacher, als du womöglich glaubst. Du solltest nur davon absehen, sie dir Wörterbuchartig einzuprägen. Das ist nur bedingt sinnvoll. Denn selbst, wenn du sämtliche Aussprachen jedes Kanji kennst, wüsstest du nach wie vor nicht, welche du nun in enem spezifischen Wort nutzen musst - außer du kennst das Wort bereits.

1. Lerne Kanji im Kontext mit Vokabeln

Deswegen ist es am besten, wenn du Kanji direkt im Kontext lernst! Und schon musst du zum lernen der komplexen Schriftzeichen nichts anderes mehr machen, als das, was du sowieso tust, um Japanisch zu lernen.

Kurz gesagt: Nimm einen japanischen Text und ein Wörterbuch. Kennst du ein Kanji nicht, schlägst du es nach. Das war es.

Kanji im Wörterbuch zu finden, ist leicht! Denn im Gegensatz zu früher - als du dafür auf elektronische Wörterbücher oder gar Papier Kanjiwörterbücher angewiesen warst - gibt es heutzutage Japanisch-Apps, mit denen du die Wörter nur noch auf deinem Display anklicken musst und sofort einen Wörterbucheintrag präsentiert bekommst.

2. Die Regeln der Strichreihenfolge

Ein einzelnes Kanji kann aus bis zu 33 Strichen bestehen. Um es richtig zu Schreiben, musst du dich an die richtige Strichreihenfolge halten. Und während du die für jedes Zeichen auswendig lernen könntest, ist es effektiver, stattdessen die allgemeinen Regeln zu lernen:

Die sieben Schritte, um jedes Kanji korrekt zu schreiben.
  1. Zeichne von Links nach Rechts.
  2. Zeichne von Oben nach Unten.
  3. Setze die einzelnen Striche zuerst von Oben nach Unten.
  4. Danach setzt du sie von Links nach Rechts.
  5. Kästen beginnst du mit einem Strich von Oben nach Unten. Du machst Oben zu und ziehst ohne abzusetzen rechts Runter. Zum Schluss schließt du den Kasten mit einem Strich unten ab.
  6. Wenn der Kasten einen Inhalt hat, zeichnest du erst die senkrechten Striche, gefolgt von den waagerechten. Den Kasten schließt du als Letztes.
  7. Geht ein Strich durch den Kasten hindurch, so zeichnest du diesen als letztes.

3. Vorgefertige Kanji-Decks

Willst du Kanji dennoch aktiver lernen, dann gibt es heutzutage eine Reihe von Kanji-Decks, die im Kern alle auf dem System von Heisig basieren. Dessen Idee: Lerne nur das Zeichen und seine Bedeutung. Ignoriere die Aussprachen. Es geht hierbei nur darum, dass du weißt, was ein Kanji bedeutet. Also etwa so:

  • 私 - Ich
  • 日 - Sonne
  • 犬 - Hund

Persönlich empfehle ich dafür eine von zwei Methoden:

  • Migaku*: Hat einen seperaten Kanjikurs, der dir die Zeichen genau so und inklusive Strichreihenfolge beibringt.
  • Kanjidamage: Ein umfangreiches Kanji-Deck für Anki inklusive Eselsbrücken, häufigsten Aussprachen und Wortbeispielen.

Mit diesem Wissen kannst du nun einen ersten Blick in den Aufbau und die Struktur japanischer Sätze werfen!

Antworten auf die häufigsten Fragen zu Kanji

Für den Alltag reichen die 2.136 Joyo-Kanji. Es gibt allerdings wesentlich mehr – etwa in japanischen Romanen oder Spielen begegnen dir regelmäßig Zeichen, die darüber hinausgehen. Die Joyo-Kanji sind aber die verbindliche Grundlage, die auch in der Schule gelehrt werden.

Kanji wurden Japan aus China übernommen – daher gibt es zwei Gruppen von Lesungen: die Onyomi (die chinesischstämmige Aussprache, in Lehrbüchern in Katakana geschrieben) und die Kunyomi (die ursprünglich japanische Aussprache, in Hiragana geschrieben).

Eine Faustregel: Stehen mehrere Kanji zusammen (z. B. 本屋 = hon'ya), nutzt man meistens die Onyomi. Folgt ein Okurigana auf das Kanji (z. B. 読む = yomu), nutzt man die Kunyomi. Es gibt jedoch auch zahlreiche Ausnahmen. Deswegen solltest du eher lernen, mit welchen Kanji ein Wort geschrieben wird, statt zu versuchen, dir alle Aussprachen eines Kanji einzuprägen.

Theoretisch könnte man alles in Hiragana schreiben, praktisch wird Text dadurch aber schwer lesbar. Der Hauptgrund: Japanisch hat sehr viele Homonyme – Wörter, die identisch geschrieben und teils identisch ausgesprochen werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben (帰る, 買える, 変える – werden alle かえる ausgesprochen). Nur Kanji und Kontext halten sie auseinander. Wer ein japanisches Kinderbuch ohne Kanji liest, merkt sofort, wie schwer das sein kann.

Ja. Manchmal bedeuten die Varianten dasselbe, manchmal unterscheiden sie sich im Detail – etwa 見る (etwas sehen) gegenüber 観る (etwas ansehen). Beide werden im übrigen auch みる (miru) gesprochen. Muttersprachler wählen zudem nicht immer die kanjireichste Schreibweise: Gerade häufige Wörter schreiben sie oft eher in Kana.

Das 々 nennt sich Kanji-gaeshi oder Noma und ist streng genommen kein Kanji selbst, sondern ein Wiederholungszeichen: Es gibt an, dass du das davorstehende Kanji wiederholst, z. B. 時々 oder 人々. Manchmal wird die Aussprache dabei stimmhaft (日々 = hiBi), manchmal bleibt sie gleich (昔々 = mukashi mukashi).

Lerne sie im Kontext mit Vokabeln statt als isolierte Zeichenlisten. Konkret: Nimm einen japanischen Text und ein Wörterbuch – kennst du ein Kanji nicht, schlägst du es direkt nach. Heutzutage erledigen Japanisch-Apps das mit einem einzigen Klick auf das Zeichen auf deinem Display. Ergänzend eignen sich vorgefertigte Decks wie Migaku oder Kanjidamage, die beide auf Heisigs Ansatz aufbauen: Nur die Bedeutung lernen, die Aussprache kommt später mit den Wörtern.

Nein – ein Kanji kann aus bis zu 33 Strichen bestehen, das wäre ineffizient. Effektiver ist es, die allgemeinen Schreibregeln für die Zeichen zu lernen, die du im Artikel findest. Denn die folgen einem bestimmten Ablauf. Die Reihenfolge von Kanji, mit denen du dennoch Schwierigkeiten hast, kannst du danach noch einmal einzeln angehen.

Nein. Es gibt auch so genannte Ateji. Das sind Kanji, die wegen ihrer Aussprache statt ihrer Bedeutung gewählt wurden. Ein bekanntes Beispiel ist 寿司 (Sushi): Das Wort bezeichnet das japanische Reisgericht, die verwendeten Zeichen bedeuten aber wörtlich „Glück" (寿) und „Amt" (司). Die Bedeutung ergibt sich hier also nicht aus den einzelnen Zeichen.

© 2026 Mathias Dietrich