Kanji sind Schriftzeichen, die Japan aus China übernommen hat. Für den Alltag brauchst du die 2.136 Joyo-Kanji, es gibt aber wesentlich mehr, die du etwa sehen wirst, wenn du japanische Romane liest, oder Spiele spielst.
Ein einzelnes Kanji kann bereits ein ganzes Wort sein, aber auch mit anderen kombiniert werden, um neue Bedeutungen zu erschaffen. Sie werden vor allem für Substantive, Verben und Adjektive genutzt.
Allerdings schreiben selbst Muttersprachler nicht jedes Wort in Kanji, bei dem das möglich wäre. Gerade häufige Wörter sind schneller in Kana geschrieben. Im Laufe der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, wie du ein Wort am besten schreibst.
Mehr als eine Aussprache
Die größte Besonderheit von Kanji ist, dass sie in jedem Wort anders ausgesprochen werden können. Und das frustriert viele Lerner schnell. Allerdings sollte dich der Gedanke nicht abschrecken. Denn du hast beim Lesen immer so viele Hinwese zur korrekten Lesung um dich, dass du sie kaum falsch lesen kannst. Dafür sorgen vor allem Kontext und Okurigana!

Es gibt zwei verschiedene Gruppen von Aussprachen: Einmal die Onyomi- (chinesisch, in Katakana) und die Kunyomi-Aussprache (japanisch, in Hiragana). Das bedeutet aber nicht, dass du jedes Kanji nur auf zwei Arten lesen kannst. Ein Kanji kann viele verschiedene On- und Kunyomi haben!
Eine Faustregel gibt es dennoch: Stehen viele Kanji zusammen, nutzt du meistens die Onyomi. Folgen Okurigana auf eines der Zeichen, nutzt du hingegen die Kunyomi. Allerdings gibt es auch Ausnahmen.
So liest du Kanji
Im folgenden zeig ich dir mit einem Beispiel, wie einfach es letztendlich ist:
私は本を読む。(わたし は ほん を よむ。)
Ich (Thema) Buch (Objekt) lesen.
Ich lese ein Buch.
- 私: Dass du dieses Kanji alleine "Watashi" liest, lernst du mit dem Wort zusammen.
- 本: Wie auch "Watashi" lernst du dieses Kanji zusammen mit dem dazugehörigen Wort.
- 読む: Hier steht das Kanji mit einem Okurigana. Sobald du weißt, dass よむ lesen ist, wirst du schnell merken, dass du das Kanji 読 hier kaum anders lesen kannst als よ.
Wieso braucht es Kanji?
Weil sie das Lesen einfacher machen! Wahrscheinlich denkst du dir, dass man auch alles in Hiragana schreiben könnte. Aber sobald du ein japanisches Kinderbuch liest, wirst du schnell merken, dass die sich teils wegen fehlender Kanji wirklich schwer lesen lassen!
Ein Grund dafür ist, dass Japanisch sehr viele Homonyme hat. Also Wörter, die du gleich schreibst - und teils auch identisch sprichst - die aber eine andere Bedeutung haben. In Texten kannst du sie nur durch Kontext und eben die Kanji auseinanderhalten, wie du bei diesen Beispielen sehen kannst:
- 帰る (かえる): Zurückgehen
- 買える (かえる): kaufbar-sein
- 変える (かえる): verändern
Es gibt zudem Wörter, die du mit verschiedenen Kanji schreiben kannst, ohne dass sie dann anders gesprochen werden. Manchmal bedeuten sie das gleiche, manchmal ändert sich die Bedeutung im Detail:
- 見る (みる): etwas sehen
- 観る (みる): etwas ansehen
Besondere Kanji
Nun magst du denken, dass du die Bedeutung eines Wortes immer aus den genutzten Kanji ableiten kannst. Das ist aber nicht immer der Fall! Denn es gibt eine ganze Gruppe besonderer Kanji!
Die Ateji: So bezeichnet man Kanji, die wegen ihrer Aussprache, und nicht ihrer Bedeutung gewählt wurden. 寿司 (すし) ist etwa ein Ateji. Es bedeutet "Sushi", also das japanische Reisgericht. Doch die genutzten Kanji sind 寿 (Glück) und 司 (Amt)
Das Zeichen 々 wird selten erklärt. Es nennt sich Kanji-gaeshi oder Noma und ist an sich kein Kanji, steht aber oft mit ihnen. Es gibt an, dass du das Kanji davor wiederholst. Manchmal wird die Aussprache dasbei auch stimmhaft (日々 = ひび), manchmal nicht (昔々 = むかしむかし).
Die besten Kanji-Lerntricks
Alle Kanji zu lernen, ist wesentlich einfacher, als du womöglich glaubst. Du solltest nur davon absehen, sie dir Wörterbuchartig einzuprägen. Das ist nur bedingt sinnvoll. Denn selbst, wenn du sämtliche Aussprachen jedes Kanji kennst, wüsstest du nach wie vor nicht, welche du nun in enem spezifischen Wort nutzen musst - außer du kennst das Wort bereits.
1. Lerne Kanji im Kontext mit Vokabeln
Deswegen ist es am besten, wenn du Kanji direkt im Kontext lernst! Und schon musst du zum lernen der komplexen Schriftzeichen nichts anderes mehr machen, als das, was du sowieso tust, um Japanisch zu lernen.
Kurz gesagt: Nimm einen japanischen Text und ein Wörterbuch. Kennst du ein Kanji nicht, schlägst du es nach. Das war es.
Kanji im Wörterbuch zu finden, ist leicht! Denn im Gegensatz zu früher - als du dafür auf elektronische Wörterbücher oder gar Papier Kanjiwörterbücher angewiesen warst - gibt es heutzutage Japanisch-Apps, mit denen du die Wörter nur noch auf deinem Display anklicken musst und sofort einen Wörterbucheintrag präsentiert bekommst.
2. Die Regeln der Strichreihenfolge
Ein einzelnes Kanji kann aus bis zu 33 Strichen bestehen. Um es richtig zu Schreiben, musst du dich an die richtige Strichreihenfolge halten. Und während du die für jedes Zeichen auswendig lernen könntest, ist es effektiver, stattdessen die allgemeinen Regeln zu lernen:

- Zeichne von Links nach Rechts.
- Zeichne von Oben nach Unten.
- Setze die einzelnen Striche zuerst von Oben nach Unten.
- Danach setzt du sie von Links nach Rechts.
- Kästen beginnst du mit einem Strich von Oben nach Unten. Du machst Oben zu und ziehst ohne abzusetzen rechts Runter. Zum Schluss schließt du den Kasten mit einem Strich unten ab.
- Wenn der Kasten einen Inhalt hat, zeichnest du erst die senkrechten Striche, gefolgt von den waagerechten. Den Kasten schließt du als Letztes.
- Geht ein Strich durch den Kasten hindurch, so zeichnest du diesen als letztes.
3. Vorgefertige Kanji-Decks
Willst du Kanji dennoch aktiver lernen, dann gibt es heutzutage eine Reihe von Kanji-Decks, die im Kern alle auf dem System von Heisig basieren. Dessen Idee: Lerne nur das Zeichen und seine Bedeutung. Ignoriere die Aussprachen. Es geht hierbei nur darum, dass du weißt, was ein Kanji bedeutet. Also etwa so:
- 私 - Ich
- 日 - Sonne
- 犬 - Hund
Persönlich empfehle ich dafür eine von zwei Methoden:
- Migaku*: Hat einen seperaten Kanjikurs, der dir die Zeichen genau so und inklusive Strichreihenfolge beibringt.
- Kanjidamage: Ein umfangreiches Kanji-Deck für Anki inklusive Eselsbrücken, häufigsten Aussprachen und Wortbeispielen.