Die Partikel が gibt das Subjekt im Japanischen an und ist damit ein wichtiger Bestandteil von jedem japanischen Satz. Und dennoch wirst du zahleiche Sätze finden, wo sie einfach nicht auftaucht. Wie kann das sein? Hier kommt ein sehr wichtiger Punkt der Sprache zum tragen: die Kontextabhängigkeit.
| Japanisch | Deutsch |
|---|---|
| だ | Kopula "sein" |
| が | Subjektpartikel |
| 兎 | der Hase |
| 水曜日 | Mittwoch |
| 男性 | der Mann |
| 来る | die kommen |
| 私 | ich |
| 犯人 | der Täter |
Der Grund für das fehlende Subjekt
Die Japanische Sprache ist sehr indirekt und lässt deswegen gerne jegliche Information weg, die durch den Kontext offensichtlich ist. Paradoxerweise trifft genau das sehr häufig auf das Subjekt zu, das mit dem が markiert wird.
Nennst du das Subjekt zu häufig, klingt das schnell unnatürlich, da dann der Eindruck entsteht, dass du es besonders hervorheben willst. Wenn du das aber nicht bewusst tun willst, verwirrt das schnell.
Das kennst du auch aus dem Deutschen! Wenn du das Subjekt immer und immer wieder nennst, wirken deine Aussagen plötzlich ganz anders. Das erkennst du etwa am folgenden Beispiel:
Die Katze kletterte auf den Baum. Als die Katze oben war, miaute die Katze. Die Katze sprang auf den nächsten Ast und die Katze kletterte wieder herunter.
Es wirkt, als will der Sprecher dieses Satzes besonders betonen, dass es um eine Katze geht. Da es aber gar nicht so wichtig ist, dass gerade die Katze all das macht, wirkt es unnatürlich. Die Lösung ist, das Subjekt mit einem kontextabhängigen Wort auszutauschen und stattdessen zu sagen:
Die Katze kletterte auf den Baum. Als sie oben war, miaute sie. Sie sprang auf den nächsten Ast und kletterte wieder herunter.
Dass wir den Satz verstehen, liegt nur am Kontext! Denn Personalpronomen können sich auf alles mögliche beziehen. Stell dir vor, ich hätte nie von einer Katze gesprochen. Plötzlich hätte das "sie" in deiner Vorstellung auch eine Frau sein können. Nur die vorherige Nennung des Subjekts definierte es genauer.
Japanisch hingegen entfernt es ersatzlos. Die beiden Sprachen lösen das Problem also nur auf eine andere Art und Weise. Würdest du den japanischen Satz auf Deutsch sagen, würde in etwa folgendes dabei herauskommen:
Katze kletterte auf Baum. War oben, miaute. Sprang auf nächsten Ast und kletterte wieder herunter.
Deswegen ist es für uns auch schwer, selbst japanische Sätze zu bilden: Wir können nicht einfach die für uns natürlichen Aussagen 1:1 übersetzen, sondern müssen uns an eine neue Art und Weise gewöhnen, zu reden.
Null-が: "Er", "Sie", "Es" im Japanischen
Da ein Satz ohne Subjekt aber keinen Sinn ergibt, bedeutet das, dass es in der logischen Satzstruktur nach wie vor existieren muss! Und dieses unsichtbare Wort bezeichnet man als Null-が. Solange nicht anders durch den Kontext vorgegeben, ist dessen Bedeutung einfach nur "Ich".
Die folgenden drei Sätze sind komplett natürliche japanische Aussagen und zeigen dir, wie sich die Bedeutung ändert:
- Bei einer Vorstellung
- Japanisch: マティアスだ。
- Übersetzung (1:1): (Ich) Mathias sein.
- Übersetzung: Ich bin Mathias.
- Nachdem du ein Geräusch im Wald hörst
- Japanisch: 兎だ。
- Übersetzung (1:1): (Das) Hase sein.
- Übersetzung: Das ist ein Hase.
- Bei einer Zeitangabe
- Japanisch: 水曜日だ。
- Übersetzung (1:1): (Es) Mittwoch sein.
- Übersetzung: Es ist Mittwoch.
Die Satzstruktur kannst du dir entsprechend mit einem transparenten Wagon vorstellen. Er ist da ... aber irgendwie auch nicht!

Japanische Sätze mit dem Null-が sind komplett neutral! Sie sind der Normalzustand, heben nichts besonders hervor und sind ganz normale Aussagen.
Die Bedeutung mit richtigen が
- Du stellst eine neue Information vor: Wenn sie nicht aus dem Kontext ersichtlich ist, musst du sie nennen. Es ähnelt der Nutzung unbestimmter Artikel im Deutschen.
- Japanisch: 男性が来る。
- Übersetzung (1:1): Mann (Subjekt) kommen.
- Übersetzung: Ein Mann kommt.
- Du willst das Subjekt hervorheben: Wenn etwa nach einem Schuldigen gesucht wird, könntest du dich selbst hervorheben und als Täter präsentieren. In diesem Fall bist du keine neue Information. Aber du hebst hervor, dass DU es getan hat und nicht jemand anders.
- Japanisch: 私が犯人だ。
- Übersetzung (1:1): Ich (Subjekt) Täter sein.
- Übersetzung: Ich bin der Täter!
Häufige Fragen und Antworten zur Subjektpartikel が
Das が kennzeichnet das Wort vor ihm als Subjekt deines Satzes. Das wird aber nur explizit genannt, wenn du es hervorheben willst. Entweder, weil es noch nicht bekannt ist, oder, weil es aus einem bestimmten Grund hervorsticht.
So oft es geht. In japanischen Sätzen sagst du so wenig wie möglich. Das が wegzulassen ist entsprechend der neutrale Normalzustand. Es explizit zu nennen, braucht einen Grund.
In einem einzelnen Haupt- oder Nebensatz nicht. Über eine komplexe Satzstruktur verteilt hingegen schon. Beschreibungen von Substantiven oder die Erwähnung eines Themas funktionieren etwa wie Nebensätze und können ebenfalls ein が enthalten, obwohl der Hauptsatz bereits eines hat.
