Japanisch lernen ist einfacher, als du denkst! Der Großteil geschieht nämlich ganz unbemerkt! Wichtig ist nur, dass du genug Zeit dafür aufwenden kannst.
Basierend auf meinen bald 20 Jahren Erfahrung mit der Sprache, empfehle ich dir diesen Ablauf:
Wie du am besten Japanisch lernst
1. Starte mit Hören!
Eine andere Sprache bedeutet auch andere Töne und Klänge. Bevor du richtig mit dem Lernen loslegen kannst, solltest du dich deswegen erst einmal an die Aussprache gewöhnen. Und das geht ganz nebenbei!
- Höre japanische Lieder an
- Wenn du Anime ansiehst, nutze die japanische Vertonung mit Untertiteln
- Lass japanische Videos oder Podcasts während deinem Alltag im Hintergrund laufen
Du sorgst hier einfach dafür, dass du die Sprache akustisch stets um dich hast. So gewöhnt sich dein Gehirn nämlich passiv an deren Geräusche und lernt, sie erkennen zu können.
2. Lerne die Schrift: Hiragana und Katakana
Sobald du dich mit Schritt 1 genügend an die neue Aussprache gewöhnt hast, kannst du damit beginnen, die Schrift zu lernen. Während Japanisch mit Hiragana, Katakana und Kanji gleich drei Zeichensätze besitzt, sind für den Beginn nur die ersten beiden wichtig, die unter dem Begriff Kana zusammengefasst werden.
Die ähneln unserem Alphabet und bestehen aus jeweils 46 Zeichen. Insgesamt musst du also 92 lernen. Das Unterfangen wird dich je nach täglichen Aufwand zwischen zwei und vier Wochen beschäftigen.
Sie legen die Grundlage, damit du japanische Wörter in einem Wörterbuch nachschlagen kannst. Zudem eröffnet sich dir mit ihnen bereits die Welt japanischer Kinderbücher, die im Regelfall komplett in Kana geschrieben sind.
Was den meisten Japanischlernern einen Schrecken einjagt, sind hingegen die Kanji. Von denen gibt es nämlich ca. 2.000, die du kennen musst. Das mag erst einmal erschlagen, aber wenn du siehst, wie der weitere Lernablauf funktioniert, verlieren sie viel von ihrem Schrecken!
3. Verstehe die Besonderheiten der Aussprache
Nachdem du nun Kana lesen kannst, geht es jetzt darum, dein Gehör weiter zu verfeinern! Denn Japanisch hat eine Besonderheit bei der Aussprache: Den Tonhöhen-Akzent, oder auch Pitch-Akzent genannt.
Jedes Wort besitzt einen derartigen Akzent und er kann gar die Bedeutung verändern! Zum Beispiel gibt es das Wort あめ (ame), das zwei Bedeutungen hat: Einmal "Regen" und einmal "Bonbon". Geschrieben kannst du es durch die Kanji unterscheiden. 雨 für "Regen" und "飴" für "Bonbon".
Gesprochen hingegen unterscheiden sie sich durch ihren Pitch-Akzent! Im Japanischen gibt es vier Muster:
- 頭高 – Atama-daka (dt. Kopf-Hoch): Der Pitch beginnt hoch, fällt dann ab, und bleibt tief.
- 中高 – Naka-daka (dt. Mittel-Hoch): Pitch beginnt tief, steigt dann an und fällt ab.
- 平板 – Heiban (dt. Flach-Brett): Der Pitch steigt an und bleibt hoch.
- 尾高 – O-daka (dt. Schwanz-Hoch): Wie Heiban, allerdings fällt die Tonhöhe auf Partikeln nach ihnen ab.
Sprichst du das Wort あめ mit O-daka aus, bedeutet es "Regen", mit Atama-daka hingegen "Bonbon".
4. Sieh dir grundlegende Grammatik an
Jetzt, wo du Japanisch lesen kannst und auch die Besonderheiten in der Aussprache kennst, lohnt es sich, die grundlegende Grammatik anzusehen.
Keine Sorge: Du musst nicht stundenlang Grammatik büffeln. Es geht hierbei nur darum, dass du verstehst, wie ein Satz aufgebaut ist, damit du seine Bedeutung schneller entschlüsseln kannst.
Die wichtigsten Dinge hier sind:
- Die häufigste Japanische Wortreihenfolge ist SOV - Subjekt, Objekt, Verb
- Partikeln markieren die Funktion eines Wortes im Satz
- Japanisch liebt Auslassungen! Gerade das Subjekt wird in den meisten Sätzen einfach weggelassen
5. Vokabeln und Kanji lernen
Jetzt kommt der aufwendigste Teil des Sprache lernens! Aber das tolle ist: Es ist auch der spaßigste! Das Lernen neuer Wörter zusammen mit ihren Kanji.
Du denkst jetzt vielleicht an ewig lange Vokabellisten - aber die sind nur eine kleine Hilfestellung, die du im Notfall nicht nutzen musst. Denn du lernst all das am besten, indem du etwa japanische Bücher liest, Serien ansiehst, Spiele spielst oder Podcasts hörst. Nur eine Bedingung: Du nimmst ein Wörterbuch mit!
Natürlich erwartet niemand von dir, dass du dich sofort an den nächsten Blockbuster voller philosophischer Themen wagst. Es reichen bereits simple Mittel:
- Ein japanisches Kinderbuch, in dem du Bilder von Objekten hast und das Wort dazu in Kana
- Simple Geschichten für Kleinkinder, mit begrenzter Wortanzahl und simpler Grammatik
- Spezifische Graded Reader, die sich nach dem Level von Lernanfängern richten
Das einzige, was du tun musst: Du schlägst jedes unbekannte Wort im Wörterbuch nach und stellst so sicher, dass du der Geschichte zumindest grob folgen kannst.
Wieso das klappt? Du siehst hier die selben Wörter immer und immer wieder in verschiedenen Situationen und verbindest sie aufgrund der Geschichten direkt mit Emotionen. Bilder und Ton halten das Ganze zudem lebendig! Im Fachjargon nennt sich das Immersion. Damit lernt es sich wesentlich besser als mit langen, staubigen Listen!
Und die Kanji? Die lernst du auf die gleiche Weise. Denn auch hier gilt: Du wirst sie so oft sehen, dass sie irgendwann ganz nebenbei hängenbleiben und du sie rein aus Macht der Gewohnheit liest.
Stell es dir vor, wie ein Wassertropfen, der einen Stein aushölt: Jedes einzelne Wort, dass du nachschlägst, ist ein Wassertropfen. Du wirst nicht unmittelbar bemerken, dass du lernst. Aber irgendwann erreichst du plötzlich den Punkt, wo du ein Wort liest und verstehst, ohne es wie sonst nachschlagen zu müssen.
- Mein i+1 Vokabeldeck (Patreon / Buymeacoffee): Bringt dir die 1.500+ häufigsten japanischen Wörter und Grammatik bei
- Tadoku auf Youtube: Ein Youtube-Kanal voller nach Level sortierter japanischer Hörbücher.
- JPDB.io: Eine Datenbank, die japanische Serien, Filme, Bücher und Spiele nach Schwierigkeit sortiert.
- Learnnatively.com: Eine weitere Datenbank, in der du nach Level sortierte japanische Medien findest.
Das Japanisch lernen kannst du dir zudem noch mit einigen Apps vereinfachen:
- Migaku*: Eine umfangreiche Lernapp mit vorgefertigten immersiven Vokabeldecks für Anfänger, einem integrierten Wörterbuch, das du auf Webseiten und Youtube nutzen kannst, sowie der Möglichkeit, einfach selbst neue Vokabelkarten zu erstellen.
- Anki: Der Klassiker für digitale Vokabelkarten.
- Dokuen: Eine Android-exklusive OCR App, mit der du japanische Wörter in anderen Apps oder mit der Handykamera nachschlagen kannst.
6. Sprechen und Schreiben üben
Die bisherigen Punkte waren allesamt Vorbereitung, damit du auch selbst damit beginnen kannst, Japanisch zu reden und zu schreiben. Hierbei ist vor allem eins wichtig: Du kopierst Japaner, du übersetzt keine deutschen Sätze ins Japanische.
Der Grund dafür sind die großen Unterschiede der Sprachen. Ein deutscher Satz und ein japanischer Satz werden - selbst, wenn sie die gleiche Bedeutung übermitteln - oft mit ganz anderen Wörtern gebildet.
Ein Beispiel: Im Deutschen sagen wir "Ich mag Schokolade." Würdest du hingegen den japanischen Satz チョコレートが好き - der die gleiche Bedeutung hat - 1:1 ins Deutsche übersetzen, dann würdest du "Schokolade ist mögen-auslösend" sagen müssen.
Deswegen bedeutet, eine Sprache zu lernen, nicht, dass du Regeln auswendig paukst und dann übersetzt. Es bedeutet, dir anzueignen, wie du bestimmte Gedanken und Ideen natürlich ausdrückst, ohne an deine Muttersprache gebunden zu sein.
Das erlernst du am besten mit Shadowing!
- Höre dir ein japanisches Wort oder Satz an
- Sprich es so exakt wie möglich nach und nimm dich dabei auf
- Vergleiche das Original mit der Aufnahme
- Passe deine Aussprache an, bis sie dem Original gleicht
Dadurch trainierst du zudem nicht nur die Aussprache selbst, sondern eignest dir auch ein Museklgedächtnis an, das dir dabei hilft, wesentlich schneller und natürlicher Japanisch reden zu können!
Nutze dein Japanisch!
Diesem Ablauf musst du nur lange genug folgen! Klar: Zu Beginn wird das alles nicht so flüssig vonstatten gehen. Aber das ist der Lernprozess! Stör dich deswegen nicht daran, wenn dir ein Wort immer wieder entfällt, oder du einen Satz vielleicht nur ganz grob versteht. Das reicht vollkommen!
Zudem wirst du so schnell die Freude haben, dir sagen zu können "Ich habe eine Serie komplett auf Japanisch angesehen!" Dann kommt der Punkt, an dem du japanische Werke gar nicht mehr in einer anderen Sprache ansehen willst und schließlich eröffnet sich dir eine neue Welt, wenn du Spiele spielst und Bücher liest, die nie übersetzt wurden!
Es ist ein Aufwand, der sich lohnt und dir viel Freude bereiten wird!
Antworten zu den häufigsten Fragen zum Lernablauf
Ja – jedenfalls wenn du den richtigen Ansatz wählst. Der Großteil des Lernens geschieht unbemerkt nebenbei, etwa beim passiven Hören und beim wiederholten Lesen in echten Geschichten. Entscheidend ist nicht Begabung als genug Zeit, die du regelmäßig aufwendest.
Nicht mit Vokabellisten und auch nicht mit der Schrift – sondern mit Hören! Gewöhne dein Gehirn zuerst akustisch an die neue Sprache: höre japanische Lieder, sieh Anime mit japanischer Vertonung und Untertiteln oder lasse Podcasts im Alltag laufen. Erst danach folgt die Schrift.
Nein! Für den Beginn sind nur die Hiragana und Katakana wichtig – zusammen 92 Zeichen, die du je nach täglichem Aufwand in zwei bis vier Wochen lernen kannst. Die Kanji kommen später mit den Vokabeln, und das ganz nebenbei, weil du sie während der Immersion ständig siehst.
Für den Start: Anki (der Klassiker für digitale Vokabelkarten) und ein Anki-Deck für Hiragana und Katakana. Für Vokabeln und Grammatik eignen sich etwa Migaku* (umfassende Lernapp mit immersiven Decks und integriertem Wörterbuch) oder Dokuen (Android-OCR-App zum Nachschlagen aufgenommenen Texts). Als Nachschlagewerke helfen JPDB.io und Learnnatively.com (Medien nach Schwierigkeit sortiert), Tadoku auf Youtube (nach Level sortierte Hörbücher) sowie das OJAD und ein Vokabeldeck mit Pitch-Training für den Akzent.
Eine Besonderheit der japanischen Aussprache: Jedes Wort hat einen Tonhöhen-Akzent, der sogar die Bedeutung verändern kann. Es gibt vier Muster – Atama-daka (beginnt hoch, fällt ab), Naka-daka (steigt an, fällt ab), Heiban (steigt an, bleibt hoch) und O-daka (wie Heiban, fällt aber auf folgende Partikeln ab). So unterscheidet sich gesprochen etwa あめ „Regen" (O-daka) von あめ „Bonbon" (Atama-daka) – obwohl beide gleich geschrieben sind.
Nein. Grammatik ist ein Hilfsmittel und sollte nicht dein vollständiger Fokus sein. Es reicht zunächst, die Grundzüge zu verstehen: Die häufigste Wortreihenfolge ist SOV (Subjekt, Objekt, Verb), Partikeln markieren die Funktion eines Wortes im Satz, und Japanisch lässt gern das Subjekt weg. Mehr brauchst du am Anfang nicht – den Rest lernst du beim Lesen und Hören. Zudem kannst du dir spätere Grammatik nebenbei etwas anlesen.
Besser nicht. Staubige Listen sind nur eine Notfall-Hilfestellung, denen es oft an Kontext fehlt und die bei vielen Wörtern nie den kompletten Bedeutungsumfang zeigen können. Du brauchst mindestens noch einen Beispielsatz zu einem Wort.
Effizienter ist deswegen die Immersion: Lies japanische Kinderbücher, sieh Serien, spiele Spiele oder höre Podcasts – und schlage jedes unbekannte Wort nach. Du siehst dieselben Wörter immer wieder in verschiedenen Situationen und verbindest sie mit Bildern, Ton und Emotionen. Das bleibt viel besser hängen.
Eine Methode, um natürlich sprechen zu lernen: Höre einen japanischen Satz an, sprich ihn so exakt wie möglich nach und nimm dich dabei auf. Vergleiche dann Original und Aufnahme und passe deine Aussprache an, bis sie übereinstimmen. So trainierst du nicht nur die Aussprache, sondern baust auch ein Muskelgedächtnis für schnelleres, natürlicheres Sprechen auf.
Indem du auf Dauer merkst, dass du nach und nach weniger nachschlagen musst. Wenn du gelegentlich Wörter vergisst oder Sätze nur grob verstehst – das ist der Lernprozess! Und es ist vollkommen in Ordnung, zu Beginn nicht jedes Detail zu erfassen. Mit genügend Zeit folgt irgendwann die Freude: „Ich habe eine Serie komplett auf Japanisch angesehen!" Bis hin zu dem Punkt, an dem du gar nichts mehr in einer anderen Sprache ansehen willst – und sich dir durch unveröffentlichte Spiele und Bücher eine ganz neue Welt eröffnet.
